Seite wählen

Der FC Basel gewinnt im Letzigrund mit 4:2 vor allem dank drei Standardtore und dem „soften“ Zürcher Abwehrverhalten. Absurderweise war Abwehrchef Kryeziu beim Stadtclub noch einer der besseren.

Swiss Football League

FC Zürich – FC Basel 2:4

23′, 57 Zeqiri
32′ Kryeziu
53′ Amdouni
60′ Males
93′ Dzemaili

Rund um das Stadion waren die Bedingungen für ein Fussballspektakel geben, angenehme Temperaturen, fast 20 Tausend Zuschauer und gute Stimmung. Ja rund um das Stadion, denn im Inneren offenbarte sich ein Spieluntergrund, welchem die Bezeichnung Fussballrasen kaum gerecht wird. Die vergangenen Konzerte haben eben diesen stark beansprucht. Am Ende darf auch angenommen werden, dass dieser Umstand wenig Einfluss auf das erspielte hatte.


Aufstellungen

Bei den Zürchern fehlte Marchesano verletzungsbedingt, für ihn spielten Avdijaj und anstatt Conde startete Hornschuh. Ausserdem fanden auch Kamberi und Aliti in die Startelf zurück, Mets und Omeragic nahmen auf der Bank platz, nachdem sie zuletzt noch in der EL-Quali gegen Hearts spielten. War die Körpergrösse der beiden ausschlaggebend für das Spiel in Schottland oder waren andere Faktoren wichtiger?

FC Zürich: Brecher / Aliti, Kryeziu, Kamberi / Guerrero, Avdijaj, Hornschuh, Selnaes, Boranijasevic / Gnonto, Tosin

Beim FCB wartet man weiterhin auf die Genesung Kady Sène, geschont wurde Fabian Frei, nicht hingegen Michael Lang. Males und Diouf starteten anstatt Millar und Amdouni. Nicht auszuschliessen, das bei den letzteren auch taktische Gründe vorlagen.

FC BASEL: Hitz / Pelmard, Comas, Adams, Lang / Burger, Xhaka, Diouf / Ndoye, Zeqiri, Males


Spielbericht

Es ist kein Startfurioso im Klassiker, das Spiel beginnt allerdings gar nicht verhalten, wie man es allenfalls hätte erwarten können, zumal beide Teams in der Tabelle deutlich hinter den Erwartungen liegen. Der FC Zürich startet ganz gut, was in vergangenen Spielen in Winterthur und gegen die Hearts in Edinburgh so gar nicht der Fall war, allerdings ohne zu überzeugen oder klare Chancen herauszuspielen. Am ehesten sind es Hereingaben – vier in den ersten 15 Minuten – die keine Abnehmer finden, welche für etwas Aufregung sorgen.

Auch der FC Basel sucht regelmässig die Tiefe, nicht selten nach Kontermöglichkeiten. Aus deren Abschlüsse hingegen resultieren meist nur abgeblockten Schüsse.

In der 16. Minute wird Guerrero von Boranijasevic beispielhaft lanciert, welcher wiederum versucht dem mitgelaufenen Avdijaj den Ball aufzulegen, leider kann Comas klären. Die Aktion wird danach als Abseits bewertet. Mit unter glücklich, denn bei einem Tor (Guerrero muss wohl den Abschluss suchen) und allfälliger Video-Kontrolle hätte dieser Entscheid auch anders ausfallen können. Die TV-Bilder waren nicht eindeutig.

Der erste Abschluss aufs Tor zählt – sowohl, als auch.

In der 23. Minute folgt dann ein gut getretener Eckball für den FC Basel durch Males, welcher von Zeqiri verwandelt wird. Guerrero konnte den Laufweg Zeqiri’s nicht genug stören. Ob die Zuteilung auch so gedacht war, ist auch in der Wiederholung nicht klarzumachen. Es war der Abschluss auf ein Tor überhaupt.

In der Folge spürt man eine leichte Verunsicherung bei den Zürchern, der gute Start hatte keinen zählbaren Effekt, leider nur ein Gegentor und aktuell braucht es nicht viel, um den FCZ zu destabilisieren. Dazu kommt es wieder Erwarten nicht, nach 5 Minuten ist der FCZ wieder im Spiel wie zuvor, d.h. weiterhin bemüht und mit halbwegs kontrolliertem Spielaufbau, aber nicht gefährlich.

In der 32. Minute folgt ein invertiertes Bild, diesmal kann der FCZ ein Eckball treten, Selnaes spielt den Ball mittig auf die Grenze des Torhüterraumes, wo Kryeziu am höchsten steigt und den Ausgleich markiert. Die Zonendeckung mag Ihre Vorteile haben, nicht wenn ein grosser massiger Mann im Format eines Kryeziu mit Anlauf diese angreifen kann. Auch dieser Abschluss war der erste des FCZ auf das Tor.

Daraufhin sind die Zürcher wieder wacher und auch kampfstärker. Leider kann diese Stärke nicht Avdijaj erreichen, der bei einem Kontakt im gegnerischen Strafraum etwas theatralisch fällt und sich eine Verwarnung einfängt. Zweimal ungeschickt, zum einen ist ein Kontakt zwar vorhanden, aber nur die Theatralik verleitet Fedayn San den Offensivspieler zu rügen.

Es bleibt ein abwechslungsreiches Spiel, der FCZ versucht weiterhin über die Flügel, aber im Strafraum gelingt keinem einen Ballkontakt. Kryeziu verhindert noch in der ersten Halbzeit ein Tor, als er den Kopfball Males auf der Linie für den geschlagenen Brecher abwehrt. Es geht im Stand von 1:1 in die Pause, insgesamt gerecht.

Der KO-Schlag für Brecher und Abwehr

Der FCZ kommt gut aus der Kabine, allerdings ist es der FCB der zuerst für Gefahr sorgt. Dan Ndoye suchte aus spitzem Winkel das Tor, trifft dabei Brecher im Gesicht, welcher kurz deswegen behandelt wurde. Kurz sah es nach einem KO-Schlag aus, der allerdings nur aufgeschoben wurde.

In den folgenden fatalen Minuten soll der FCZ das Spiel verschenken.

Minute 52.: Es beginnt mit einem durch Hornschuh ungeschickt verschuldeten Freistoss. Xhaka’s weiter Ball in den Strafraum, kann der zur Pause eingewechselte Amdouni verwerten. Da schien die Zuteilung in der zürcherischen Abwehr nicht funktioniert zu haben. Entweder Hornschuh oder Aliti müssen sich hier erklären.

Minute 55.: Hornschuh, der sich gegen Diouf nur mittels der guten schweizerischen Tradition „Schwingen“ wehren kann, wird dafür verwarnt. Die darauffolgende Hereingabe, wieder von Xhaka, kann Zeqiri zu seinem persönlichen Doppelpack einköpfen. Diesmal hat Kamberi seinem Gegenspieler zu viel Platz gelassen. Basel führt mit 3:1.

Minute 59.: Man glaubt es kaum, aber wieder ist Hornschuh involviert. Für einmal in Ballbesitz, verliert er den Ball unter Druck im eigenen Drittel an Amdouni, ich lasse linderte Umstände gelten, denn es wäre nicht komplett falsch gewesen, hier ein Foul zu pfeifen. Als Abschluss der Ballstafette spediert Lang den Ball in den Strafraum, was ja mittlerweile als probates Mittel bestätigt wurde. Brecher kann den Ball nur ungenügend abwehren und aus dem Rebound markiert Darian Males das 1:4.

Abschiedsgruss in (allen) Farben. Blerim Dzemaili
Abschiedsgruss in (allen) Farben

Ich mag mich täuschen, aber zu diesem Zeitpunkt hatte Brecher, so meine Wahrnehmung, noch keinen Ball aufs Gehäuse gehalten. Erst später wird er Amdouni am Doppelpack hindern. An den anderen drei Toren kann man ihm nichts vorwerfen, aber dieses letzte Tor geht klar auf sein Konto.

Entschiedenes Spiel, dennoch positive Zeichen

Erst jetzt, mit dem klaren Vorsprung im Rücken, ist Basel besser und abgeklärter. Es folgen Wechsel auf beiden Seiten. Obschon das Debakel nahe oder je nach Sichtweise bereits eingetroffen ist, der FCZ spielt weiter, ein ermuntertes Zeichen für die gezeichnete Zürcher Seele. Auch die Einwechslungen von Vyunnik und Rohner bringen nochmals Schwung. Kurz vor Ende gibt es noch einen Elfmeter für den FCZ. Dzemaili verwandelt diesen wuchtig, mit gewisser Portion Wut im Bauch. Unhaltbar. Nach Blerims Abschiedsgruss an die generischen Fans, endet das Spiel.


Kommentar aus FCZ Sicht

Natürlich war die Stimmung nach dem Spiel mies. Und natürlich überwiegt das Unverständnis darüber, wie das Spiel entschieden wurde. Mit einem gewissen Abstand und nochmaliges Betrachten des Spiels war der FCZ dem FC Basel ebenbürtig. Schon klar, Basel gewinnt das Spiel verdient, er macht halt auch die Tore, dennoch war diese Niederlage alles andere zwingend.

Ich fand auch einzelne Spieler ganz gut, Kryeziu allen voran, ich kann mich nur an gute Szenen erinnern. Kaum auszudenken, wenn der Mann mal nicht performt. Klar ist er Abwehrchef und muss eine gewisse Verantwortung zu diesem klaren Resultat tragen, dementgegen muss man ihn an allen Toren freisprechen, wenn es um sein Abwerhverhalten in den jeweiligen Aktionen ging, so zumindest meine Sicht. Boranjasevic hatte grundlegend auch ein gutes Spiel, über seine Seite ging einiges.

Es liegt nahe zu glauben, man können Rohner auch von Beginn weg bringen. Die bisherigen Leistungen waren gut, jedoch meist, wenn er eingewechselt wird. Ich denke, er kann eine ähnliche Rolle spielen, wie jene des letztjährigen Gnonto.

Dementsprechend kann man Foda halt so viel anlasten wie man will, aber schlecht war seine Mannschaft heute nicht. Offensichtlich muss das Verhalten bei Standards schnellstens korrigiert werden. Davon abgesehen, konnte ich keine grössere taktischen Missstände oder ungenügende persönliche Einstellung entdecken, durch welche das Spiel gestern entscheidend beeinflusst wurde.

Es gibt aber gemessen am gestrigen Spiel eine Sache, die mir bei Basel respektive bei A. Frei aufgefallen ist, was bei Foda nie der Fall. Selbst nach der dreifachen Führung, aber auch zuvor nicht, hatte Basel eine defensive Haltung eingenommen. In beiden Spiele gegen Hearts hat der FCZ nach einer Führung respektive zu Spielbeginn (auswärts), eine sehr defensive Haltung eingenommen, was meinem Erachten nach überhaupt nicht nötig war. Ich erahne hier eher eine Ängstlichkeit, welche wohl auch in der Mannschaft spürbar ist.